Gravelbiken in der Schweiz boomt: über 12'000 verkaufte Bikes 2023, 65'000 km Schotterwege. Entdecke die besten Routen, Ausrüstungstipps und Events für dein nächstes Abenteuer.
Fenster auf, Alpenluft strömt herein, der Kies knirscht unter den Reifen – willkommen in der Schweiz, dem Paradies für Gravel-Fahrer. Während Strassenräder auf Asphalt kleben und Mountainbikes Trails beackern, hat sich eine dritte Bewegung etabliert: Gravelbiken Schweiz verbindet Freiheit, Ausdauer und die pure Lust am Entdecken. Die Nachfrage explodiert: 2023 wurden hierzulande über 12'000 Gravelbikes verkauft – ein Plus von 40% gegenüber dem Vorjahr, wie der Branchenverband Velosuisse bestätigt. Kein Wunder bei über 65'000 Kilometern an gut ausgebauten Schotter-, Feld- und Waldwegen, die SchweizMobil kartiert hat. Schweizer Hersteller wie BMC mit dem Teammachine GR und Scott mit dem Addict Gravel zählen zu den weltweiten Innovationsführern. Du suchst abgelegene Routen, hochwertiges Equipment und echte Abenteuer? Dann lies weiter – hier kommt dein masterhafter Guide für Bikepacking Schweiz.
Warum Gravelbiken in der Schweiz boomt
Gravelrouten Schweiz sind nicht nur ein Sport-Trend, sondern eine Kulturrevolution. Immer mehr sportliche Menschen zwischen 25 und 45 Jahren kehren dem lärmigen Verkehr den Rücken und suchen das intensive Naturerlebnis. Der Grund: Unser Land bietet ein dichtes, bestens beschildertes Netz an Wegen, das Mountainbiker oft meiden, weil es zu flach oder zu grob ist, und Rennradfahrer übersehen, weil es nicht asphaltiert ist. Genau hier liegt das Gold – auf Pisten, die durch idyllische Täler, über saftige Alpweiden und entlang klarer Bergbäche führen.
Zugenommen hat auch die Angebotsvielfalt: Immer mehr Schweizer Bike-Verleihe führen Gravel-Modelle, und lokale Shops wie Bike World Zürich oder Velofriend Bern bieten spezielle Gravel-Einsteigerkurse an. Zudem treiben Online-Plattformen wie Komoot und Strava den Trend: Ihre segmentierten Gravel-Routen werden von der Community täglich aktualisiert und bewertet. Die Nachfrage nach abgeschiedenen Erlebnissen in intakter Natur – ohne Hupkonzerte und Ampelstopps – wächst rasant. Die Schweiz mit ihren 7000 Metern Höhenunterschied auf 200 Kilometern ist dafür wie geschaffen.
Die besten Gravelrouten für Bikepacking


Alpenpanorama-Route
Starte in Rorschach am Bodensee und pedaliere 400 Kilometer quer durch die Nordalpen bis nach Genf. Rund 70% der Strecke führen über feinen Schotter, Forstwege und alte Saumpfade – echte Gravel-Kost. Du überwindest 6'000 Höhenmeter, verteilt auf fünf bis sechs Etappen. Besonders lohnend sind die Abfahrten ins Lenzerheide-Gebiet und die Strecke durchs Grindelwalder Tal mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Unterwegs wartet die Alp Nair (1'800 m) mit hausgemachtem Alpkäse. Die Route ist auf SchweizMobil als #1 ausgewiesen und steht dir auf Komoot als GPX zur Verfügung.
Jura-Höhenweg (Route 777)
Von Basel schnurstracks nach Nyon am Genfersee – 250 Kilometer über die sanften Jura-Höhen. Das Gelände ist mässig anspruchsvoll, perfekt für Einsteiger mit guter Kondition. Du fährst auf uralten Jurasteigen, vorbei an urigen Dörfern wie Saint-Ursanne und über den Pass de la Tourne (1'250 m). Übernachtungen in Berghütten wie der Weissensteinhütte (1'200 m) sind möglich – buche voraus, denn die Plätze sind begehrt. Die Route 777 ist offiziell als «Gravel-Highway» zertifiziert und wird regelmässig von Forstfahrzeugen instand gehalten.
Maggia-Tal-Trail
Im sonnigen Tessin erwartet dich ein 120 Kilometer langes Gravel-Abenteuer. Start in Locarno am Lago Maggiore, dann stetig aufwärts durch Kastanienwälder, vorbei an typischen Rustici und über Steinbrücken bis zum Passo del Sole auf 2'200 Metern. Die Strecke ist technisch anspruchsvoll – enge Kehren, losgerissener Schotter und Wurzeln erfordern volle Konzentration. Dafür wirst du mit grandiosen Ausblicken auf die Maggia-Schlucht und der Stille der Leventina belohnt. Tipp: Nimm genügend Wasser mit, denn auf der Passhöhe gibt es keine Einkehrmöglichkeit. GPX-Track findest du auf der Seite von Ticino Gravel Club.
Die richtige Ausrüstung für Schweizer Bedingungen
Hier kommt der praktische Teil: Welches Equipment brauchst du wirklich für sicheres und komfortables Gravel-Ausrüstung-Set-up? Wir haben die Must-haves für dich zusammengestellt.
Reifen für wechselnden Untergrund
- Schwalbe G-One Allround in 40-45 mm Breite – vielseitiger Pannenschutz und guter Grip auf Nässe und trockenem Schotter. Ideal für deine Gravelbiken Schweiz-Touren.
- Alternativ: Die Continental Terra Speed in 40 mm mit flachem Profil auf Asphalt, aber ausreichend Traktion auf leichten Forstwegen. Für alpine Passagen empfehlen wir einen etwas gröberen Reifen wie den WTB Byway 45, der auch in Geröll und losem Sand Halt bietet.
- Pumpe immer nach: Der optimale Luftdruck liegt zwischen 2,5 und 3,5 Bar – je nach Körpergewicht und Untergrund. Teste vor der Abfahrt die Griffigkeit im Stand.
Wasserdichte Gepäcklösungen
- Ortlieb Back-Roller (2×12 Liter) für das Gepäck am Hinterrad – robust, wasserdicht und mit Quick-Lock-System für schnelles An- und Abbauen.
- Ortlieb Seat-Pack (11 Liter) für Kleidung und Zelt: Passt unter den Sattel und schützt vor Spritzwasser. Für längere Touren in den Almen empfehlen wir noch einen Ortlieb Frame-Pack (8 Liter) für Werkzeug und Snacks im Dreieck.
- Achte auf reflektierende Elemente an den Taschen – vor allem bei Fahrten im Morgen- oder Abendlicht in den Bergen.
Navigation und Sicherheit
- Garmin Edge 840 mit vorinstallierten Wanderwegen und Offroad-Karten von SchweizMobil. Das Gerät zeigt dir nicht nur die Route, sondern auch Notrufnummern und Ladestationen in abgelegenen Tälern.
- Als Backup: Lade die Komoot-App offline auf dein Smartphone und nimm eine gedruckte Karte mit – in den Alpen kann der Empfang schwach sein.
- Powerbanks (10'000 mAh) und ein robustes Multitool wie das Leatherman Wave+ gehören in jedes Gravel-Paket. Und vergiss nie dein Reparaturset mit Reifenhebern, Flicken und mindestens einem Ersatzschlauch – Schottersteine sind gnadenlos.
Rechtliche Grundlagen: Wo darf ich fahren?



Klarheit schafft Sicherheit – und verhindert Konflikte mit Jägern, Wanderern und Forstarbeitern. Grundsätzlich gilt in der Schweiz: Auf Waldwegen und Feldwegen ist das Gravelbiken erlaubt, sofern kein Fahrverbotsschild oder eine generelle Sperrung gemäss Strassenverkehrsgesetz (Art. 5 SVG) besteht. Besondere Vorsicht gilt in Naturschutzgebieten und Nationalparks: Der Nationalpark Zernez in Graubünden ist tabu – selbst auf den breiten Schotterwegen. Stattdessen weicht du auf die parallel verlaufende Velolandroute 21 aus, die ähnlich reizvoll ist. Ein absolutes No-Go sind Wildruhezonen und überwachte Nasswiesen; hier drohen Bussen bis zu 1000 Franken.
Praktische Hilfe bietet die Schweizer App SchweizMobil: Sie zeigt über 12'000 Kilometer offizielle Gravel-Strecken an, die regelmässig von den Kantonen auf Sperrungen geprüft werden. Du siehst auf einen Blick, wo Abschnitte wegen Waldsanierung, Jagd oder Holzernte gesperrt sind. Speziell für dich: Aktiviere den Filter «Gravel» – dann blendet die App alle reinen Asphaltabschnitte aus. Zudem findest du dort Bikepark-Etappen mit Verpflegungsstationen. Merke: Auf Alpweiden mit Viehbestand ist strikte Schrittgeschwindigkeit angesagt – und jeder Kontakt mit Kühen ist zu vermeiden.
Events und Community: Gravel-Erlebnisse in der Schweiz
Wer Gravel nicht nur alleine geniessen will, kommt an spektakulären Events nicht vorbei. Erlebe die pure Gravel-Community bei diesen Highlight-Veranstaltungen:
- Swiss Epic Gravel (August): Fünf Etappen durch Graubünden – 350 Kilometer mit 8'000 Höhenmetern. Start in Davos, mit atemberaubenden Abfahrten über die Alp Flix und durchs Bergell. Die Etappenorte sind verpflegungstechnisch top – in Davos kannst du dein Bike direkt vom Swiss Epic Service warten lassen.
- Tour de Suisse Gravel (September): Das eintägige Rennen in der Innerschweiz misst 150 Kilometer und führt über Schotterstrassen, die sonst nur Traktoren kennen. Stationen in Bergrestaurants wie dem Rigi Kaltbad oder dem Pilatus Kulm – gehören zu den schönsten Verpflegungspunkten der Alpen.
- Gravel Club Zürich organisiert wöchentliche Ausfahrten ab April – von Zürich Enge aus Richtung Albiskette und Sihlsee. Die Gruppe teilt Routen via WhatsApp und Komoot, und du kannst jederzeit einsteigen. Für Neueinsteiger gibt es im März einen speziellen Anfängerkurs “Gravel Basics” mit Bike-Check und Fahrtechniktraining.
Teile deine Lieblingsroute mit uns!
Du hast Insider-Routen abseits der bekannten Strecken entdeckt? Einen Geheimtipp, den kein Tourguide kennt? Dann teile sie mit der grossen Gravel-Community! Kommentiere unter diesem Artikel deinen persönlichen Favoriten – der besten Einsendungen warten wir einen eigenen Folgeartikel mit exklusiven Tracks von Lesern wie dir. Dazu gibt’s für die drei kreativsten Routenbeschreibungen je einen Gutschein von Bikeworld.ch im Wert von 150 Franken.
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