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Nachwuchsförderung im Schweizer Tennis: Clubs, Zahlen und Perspektiven
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Nachwuchsförderung im Schweizer Tennis: Clubs, Zahlen und Perspektiven

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Nach Federers Rücktritt sinken die Juniorenzahlen. Neue Talente wie Henry Bernet und Mara Gae geben Hoffnung. Erfahren Sie, wie Clubs fördern und wie Sie mitmachen.

Stellen Sie sich vor: Roger Federer beendet seine Karriere, und plötzlich fällt ein ganzes Tennis-Ökosystem in ein Loch. Die Schweiz hatte sich an Grand-Slam-Titel gewöhnt – seither sind die Nachwuchszahlen drastisch gesunken. Von 12'000 lizenzierten Junioren im Jahr 2015 auf knapp 9'000 im Jahr 2024. Aber es gibt Hoffnung: In den Trainingshallen von Biel, Basel und Genf arbeiten Talente wie Henry Bernet und Mara Gae daran, die Schweiz wieder an die Spitze zu führen. Was braucht es, damit Ihr Kind der nächste Star wird? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Hoffnungsträger, erfolgreichen Förderclubs und die grössten Hürden – und zeigt Ihnen, wie Sie aktiv Teil der Lösung werden können.

1. Nach Federer: Wer sind die neuen Hoffnungsträger?

tennis junior switzerland training

Roger Federers Rücktritt war nicht nur ein emotionaler Moment für die ganze Nation, sondern auch ein Weckruf für den Schweizer Tennisnachwuchs. Jahrelang profitierte der Verband von der Sogwirkung des Maestros: Kinder wollten wie Federer spielen, die Mitgliederzahlen stiegen. Doch nach 2022 folgte der Einbruch. Aktuell sind es die Dominic Stricker (ATP 156) und Leandro Riedi (ATP 210), die das Schweizer Männertennis auf den Schultern tragen. Bei den Frauen kämpfen Simona Waltert (WTA 118) und die aufstrebende Susan Bandecchi um den Anschluss an die Weltspitze. Doch die Breite fehlt: Von den Top 200 der Junioren-Weltrangliste stammen gerade einmal drei Spieler aus der Schweiz. Das ist alarmierend, denn im Vergleich zu Tennisnationen wie Frankreich (25) oder Spanien (40) verliert die Schweiz den Anschluss.

Die grösste Baustelle ist die Umsetzung von Talent in Leistungssport. Viele Junioren beenden ihre Karriere zwischen 16 und 18 Jahren, weil die finanziellen und strukturellen Hürden zu hoch sind. Die Swiss Tennis versucht gegenzusteuern – mit Programmen wie «Next Generation» und neuen Wettbewerben. Aber ohne die Unterstützung der Clubs und der Eltern wird der Nachwuchs nicht nachwachsen.

2. Die vielversprechendsten Talente (U18) im Überblick

Was die aktuellen Hoffnungsträger betrifft, gibt es durchaus Lichtblicke. Diese fünf jungen Spielerinnen und Spieler haben 2024 besonders auf sich aufmerksam gemacht:

Henry Bernet (Jg. 2006, Basel)

Der 18‑Jährige steht auf Platz 5 der Schweizer Junioren-Rangliste und notierte sich mit einem ATP-Junior-Ranking von Position 120. Seine Stärke: ein explosive Vorhand und ein hervorragender Aufschlag. Im September 2024 erreichte er beim Swiss Junior Cup den Halbfinal – ein Turnier, das ihm den Sprung in die nationalen Top 5 ermöglichte.

Mara Gae (Jg. 2007, Genf)

Die Genferin ist mit einem WTA-Junior-Ranking von Platz 85 die aktuell beste Schweizer Juniorin. Sie gewann 2024 den Swiss Junior Cup in der Kategorie U18 und reiste zu drei ITF-Turnieren nach Frankreich. Ihre Trainerin lobt vor allem ihre mentale Stärke und das schnelle Spiel am Netz.

Nicolas Parizzia (Jg. 2008, Zürich)

Der Zürcher ist der dominierende Spieler der Altersklasse U16. Er gewann 2024 die nationalen U16-Meisterschaften und trainiert seit Juni 2024 im Nationalen Leistungszentrum in Biel. Sein Spielstil erinnert an einen jungen Stan Wawrinka – harte Grundlinienschläge mit viel Spin.

Mila Mujanovic (Jg. 2009, St. Gallen)

Die St. Gallerin ist Nummer 3 der U18-Rangliste – obwohl sie erst 15 Jahre alt ist. Sie trainiert an der Tennis Academy St. Gallen und hat sich für das internationale Turnier in Luxemburg qualifiziert. Ihre grösste Stärke: Sie ist beidhändig stark und spielt ein unberechenbares Tempo.

Weitere Namen im Blickfeld

  • Janis Rüttimann (2007, Bern): Sieger des Berner Talencups 2024, trainiert im Top Club Bern.
  • Laura Ramstein (2008, Basel): Nummer 7 der U18-Rangliste, holte Bronze an den Schweizer Meisterschaften 2024.
  • Kilian Schnyder (2009, Zug): Gewinner der Ostschweizer U14-Meisterschaften, gilt als grosses Rohdiamant.

Diese Namen zeigen: Es gibt Potenzial. Aber die Lücke zu den Top 100 der Junioren-Weltrangliste ist noch gross. Genau hier setzen die erfolgreichen Förderkonzepte der Clubs an.

3. Erfolgsmodelle: Wie Clubs die Talente fördern

Nicht alle Clubs in der Schweiz haben die gleiche Struktur. Einige haben sich als wahre Talenteschmieden etabliert. Drei Beispiele zeigen, wie gezielte Förderung funktioniert:

TC Sursee (LU) – Das Leistungszentrum auf dem Land

Der Tennisclub Sursee betreibt seit 2021 ein eigenes Leistungszentrum mit zwei Hallenplätzen und Kraftraum. Mit nur 650 Mitgliedern bringt der Club regelmässig Spitzenspieler hervor – allen voran Lara Giger, die aktuelle U16-Schweizermeisterin. Das Erfolgsrezept: Jedes talentierte Kind erhält einen persönlichen Trainingsplan und wird von einem diplomierten Swiss-Tennis-Trainer betreut. Die Kosten für die Familien sind bewusst tief gehalten – der Club sponsert Trainingsplätze für die Top 5 seiner Junioren.

TC Basel (BS) – Kooperation mit der Swiss Tennis Academy

Mit über 300 Junioren im Programm ist der TC Basel einer der grössten Nachwuchsclubs des Landes. Die Partnerschaft mit der Swiss Tennis Academy ermöglicht den Spielern den Zugang zu modernster Technologie (Schlaganalyse per Video, Krafttests). Zwölf Junioren besitzen eine Swiss-Touring-Lizenz – diese berechtigt zur Teilnahme an nationalen Turnieren der Kategorie CH‑T1. Die Kosten pro Kind liegen hier bei rund 1'500 CHF pro Monat, inklusive zwei Tenniscamps pro Jahr.

Tennisclub Genf (GE) – Internationale Turniererfahrung

Der Genfer Club setzt auf einen frühen internationalen Bezug. Bereits 2024 reisten fünf seiner Junioren zu ITF-Turnieren nach Frankreich und Italien. Der Club übernimmt die Reisekosten und stellt einen Begleittrainer. Das Ergebnis: Die Spieler sammeln wertvolle Weltranglistenpunkte und verbessern ihr Niveau deutlich schneller als reine Nationalspieler.

Diese drei Beispiele zeigen: Der Schlüssel liegt in hochwertigem Training, finanzieller Unterstützung und internationaler Erfahrung. Clubs, die diese drei Säulen vereinen, haben die grössten Erfolge.

4. Die grössten Herausforderungen für den Tennisnachwuchs

Trotz aller Bemühungen stehen Familien und Talente vor enormen Hürden. Die drei grössten Herausforderungen:

  • Finanzierung: Ein Junioren-Jahr mit Turnieren, Training und Ausrüstung kostet im Schnitt 25'000 CHF. Davon entfallen rund 10'000 CHF auf Reise- und Übernachtungskosten, 8'000 CHF auf Trainerstunden und 7'000 CHF auf Court-Mieten und Material. Nur wenige Familien können das stemmen – der Swiss Tennis Fonds hilft nur 20 Junioren mit maximal 15'000 CHF pro Jahr.
  • Konkurrenz durch andere Sportarten: Nur etwa 5% der Schweizer Kinder wählen Tennis als Hauptsport. Fussball und Skifahren dominieren die Vereinslandschaft und bieten oft günstigere Einstiegsmöglichkeiten. Hinzu kommt der Trend zu E-Sport und digitalen Freizeitangeboten, der die physische Aktivität verdrängt.
  • Infrastruktur: Die Schweiz hat pro Einwohner nur halb so viele Tennisplätze wie Flandern. Im Winter fehlen Hallenkapazitäten – vor allem in Bergregionen. In Graubünden und im Wallis müssen viele Junioren mehr als 30 Kilometer fahren, um eine stundenweise Trainingsmöglichkeit zu finden.

Diese Probleme sind systemisch und lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Dennoch hat die Swiss Tennis in den letzten Jahren versucht, gezielt gegenzusteuern.

5. Was die Swiss Tennis dagegen tut

swiss tennis academy biel

Der Dachverband hat drei zentrale Initiativen lanciert, die direkt auf die Nachwuchsprobleme abzielen:

Programm «Next Generation»

Seit 2023 unterstützt die Swiss Tennis 20 Junioren aus der ganzen Schweiz mit einem jährlichen Förderbeitrag von bis zu 15'000 CHF. Das Geld fliesst in spezielles Training, Ernährungsberatung und psychologische Betreuung. Im Gegenzug müssen die Spieler an regelmässigen Leistungstests im Nationalen Leistungszentrum Biel teilnehmen. Bisherige Erfolge: Drei der Geförderten schafften 2024 den Sprung in die Top 200 der Junioren-Weltrangliste.

«Tennisschule der Zukunft» -Initiative

Um die Infrastrukturprobleme zu mildern, stellt Swiss Tennis den Clubs kostenloses Material und Trainer zur Verfügung. 2024 wurden 50 Clubs mit insgesamt 200 neuen Bällen, Schlägern und Trainingshütchen ausgestattet. Zudem gibt es ein neues Online-Tool, mit dem Clubs freie Hallenzeiten buchen und tauschen können – das reduziert Anfahrtswege für die Junioren.

«Swiss Junior Cup» – neu aufgelegt

Der wichtigste Wettbewerb für den Nachwuchs wurde 2023 neu gestaltet: Der Swiss Junior Cup zählt nun 8 Turniere in allen Regionen der Schweiz, mit einem gesamten Preisgeld von 20'000 CHF. Die Turniere werden nach dem ITF‑Junior‑Format gespielt, sodass die Teilnehmer direkt Weltranglistenpunkte sammeln können. Die Sieger erhalten zudem Einladungen zu internationalen Trainingslagern in Frankreich und Spanien.

Diese Massnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung – aber sie erreichen noch nicht alle Talente. Um wirklich etwas zu bewirken, braucht es das Engagement der Eltern und der lokalen Clubs.

6. So machen Sie bei der Nachwuchsförderung mit

Sie sind Elternteil eines tennisbegeisterten Kindes? Dann können Sie aktiv dazu beitragen, dass Ihr Kind und andere Talente gefördert werden. Hier sind drei konkrete Schritte:

  • Talentsichtungstage besuchen: Swiss Tennis organisiert regelmässig regionale Sichtungstage – die nächsten Termine finden Sie unter www.swisstennis.ch/talentsichtung. Dort können Ihr Kind und Sie unverbindlich testen lassen, ob ein Leistungssport-Engagement Sinn macht. Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Förderbeiträge beantragen: Für Familien mit begrenztem Budget gibt es den Swiss Tennis Nachwuchsfonds. Pro Jahr stehen 300'000 CHF zur Verfügung. Die Anträge müssen bis 31. März des laufenden Jahres eingereicht werden. Alle Details: www.swisstennis.ch/nachwuchsfoerderung.
  • Den richtigen Club finden: Auf der interaktiven Karte von Swiss Tennis sind alle Clubs mit einem Youth-Programm verzeichnet. Filtern Sie nach Ihrer Region und informieren Sie sich direkt über die Trainingsangebote. Ein Tipp: Fragen Sie nach, ob der Club eine Kooperation mit der Swiss Tennis Academy hat – das ist ein Qualitätssiegel.

Denken Sie daran: Jeder noch so kleine Schritt zählt. Vielleicht steht Ihr Kind schon bald auf dem Court, den einst Roger Federer betreten hat – oder es schreibt selbst Geschichte. Packen Sie die Chance! Informieren Sie sich noch heute und werden Sie Teil der nächsten Schweizer Tennis-Generation.

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